Lierschieder Kirche mit dem Turm aus dem 13. Jahrhundert

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likircheDas Schiff – ein verputzter Fachwerkbau – wurde 1780 neu errichtet.

 

Im gleichen Jahr richtete man in dem ehemaligen Pfarrhaus eine gemeinsame Schule für Lierschieder und Aueler Kinder ein. Beide Gemeinden mußten dafür einen Gulden „Hauszins“ jährlich an den Pfarrer in Nochern zahlen. Als das Gebäude baufällig geworden war, baute man 1723 an gleicher Stelle ein neues Schulhaus. Bis 1895 gab es den Schulverband, dann bezog Auel eine eigene Schule, und auch Lierschied übergab im Jahr 1908 eine Neubau seiner Bestimmung. Er trägt heute den Namen „Zur alten Schule“ und beherbergt ein Gasthaus, denn 1967 trat Lierschied dem Schulverband der Mittelpunktschule in St. Goarshausen bei.

Auch das Kirchengebäude hat eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Der heutige Kirchturm stammt etwa aus dem 13. Jahrhundert, und ist schon äußerlich als Wehrturm erkennbar. Er besaß früher eine größere Höhle, und seine Obergeschoße waren nur über einen verwinkelten Gang zu betreten, der sich besser verteidigen ließ als eine normale Tür. Den Abschluß bildet ein hoher Spitzhelm, dem die ursprünglich vorhandenen vier Ecktürmchen mittlerweile fehlen. Vom Kirchenschiff wird berichtet, daß es 1778 so baufällig war, daß eine Kommission es für zu gefährlich hielt, noch länger Gottesdienste darin zu halten. Die Kosten für einen massiven Neubau schätzte man auf 3217 Reichstaler, eine Summe, die von den Lierschiedern nicht aufzubringen war. Sie entschlossen sich daher zu einem Fachwerkbau, den sie durch ein 5-prozentiges Darlehen von 1100 Reichstalern finanzieren konnten. Das Geld erhielten sie von dem Gerichts- und Ratsverwandten Linck aus St. Goar. Der Neubau begann 1779 unter der Leitung eines St. Goarer Meisters. Doch war dieser so unzuverlässig, daß man dem einheimischen Lehrer Sauer die Bauleitung übertrug, der 1780 den fertigen Bau übergeben konnte. Das dreiachsige Schiff aus verputztem Fachwerk erhielt auch eine neue Kanzel und neues Gestühl. Der gotische Chorraum im Turm mit seinem steilen Kreuzgratergewölbe blieb hingegen unverändert. Die rund 300 Einwohner hatten nun wieder ein stattliches Gotteshaus.

Die traditionell hier vorherrschende Landwirtschaft verhalf Lierschied zu einem bescheidenen Wohlstand. Im Jahr 1823 wird es als „Dorf mit sechs Mühlen und 346 Einwohnern“ beschrieben. Der „Geographiche Führer“ von 1872 wird da schon wesentlich ausführlicher: „106 Haushaltungen, 510 Einwohner; Bürgermeisterei, Kram-, Gast- und Schenkläden, zwei einzelne Häuser, drei Mahl-, eine Knochen- und eine Lohmühle, eine Papierfabrik, Weinbau und Viehzucht.“